Mein Rücken – Der Feind Teil I

Okay…., ich habe mich dazu entschlossen mehr von mir hier auf meinem Blog Preis zugeben. Mehr von meiner Geschichte mit euch zu teilen, denn ich sehe, wenn ich den Yogis in meinen Rückenkursen von mir und meiner Geschichte erzähle, dann sind sie oft sehr berührt und meine Geschichte gibt ihnen die Kraft, die sie vielleicht gerade brauchen, um nicht aufzugeben. Hier also nun meine Rückengschichte.

Fällt mir nicht so leicht wenn ich ehrlich bin. Hier über mein Leben zu schreiben, ohne zu wissen wer das liest ist nicht so easy… In meinen Yogastunden kann ich entscheiden, ob ich gewisse Dinge von mir mit den Anwesenden teilen möchte oder nicht, hier habe ich jedoch keinen Einfluss darauf, wie sich meine Geschichte verbreitet. Aber ich habe so oft mit Menschen zu tun, die einen langen Leidensweg hinter sich haben und die das Licht am Ende des Tunnels gerade nicht erkennen können. Die gerade in einer kraftlosen Phase stecken und sich nicht vorstellen können, dass sich ihre Situation irgendwann nochmal verbessert. Für genau euch, für dich da draußen, schreibe ich diesen Artikel, ich möchte dir Mut machen, möchte dir zeigen, dass man auch mal zweifeln darf und auch mal mit seinem Schicksal hadern darf. Du musst nicht immer stark sein, Du darfst es auch mal richtig ätzend finden, dass dein Rücken oder dein Körper krank ist und du darfst auch wütend sein und traurig und du darfst auch mal ans Aufgeben denken.

Wichtig ist, dass du danach wieder weiter machst, dass du nicht aufhörst zu kämpfen und mehr zu wollen, als dass was dir die Ärzte in Aussicht stellen. Jeder hat das Recht mal schwach zu sein und sich fallen lassen zu können, gerade wenn man von Schmerzen geplagt ist und diese vielleicht sogar chronisch sind. Als ich mit 27 die Diagnose eines doppelten Bandscheibenvorfalles erhielt, war ich erleichtert, denn endlich hatte ich eine Diagnose, und dass nur, weil mein Orthopäde Urlaub hatte und seine Vertretung, ein Chirurg, das Desaster feststellte… Nach über 2 Jahren voller Schmerzen war ich froh, endlich zu wissen was es ist. Das Problem war, dass dieser Bandscheibenvorfall nicht festgestellt wurde, trotz MRT und Röhre und und und. Bedingt durch diese 2 Jahre in denen ich voll berufstätig im Einzelhandel war, also 10 Stunden pro Tag auf der Fläche stand und lief, an 6 Tagen in der Woche, plus die Autofahrten die ca. 3-4 Stunden pro Tag zusätzlich ausmachten. Ganz zu schweigen von dem Druck, der seitens der Verkaufsleitung und der Unternehmensleitung auf uns Führungskräfte ausgeübt wurde. Als Chef hängst du immer dazwischen. Bist verantwortlich für das Wohl deiner Mitarbeiter und du bist diejenige die das Ganze am Laufen halten muss, die die Zahlen liefern muss. Geringster Personaleinsatz mit größtmöglichen Ertrag.
Diese Zeit war mit wirklich großen Schmerzen verbunden, ich bildete somit eine Fehlhaltung um den Schmerz besser aushalten zu können.

Dadurch entwickelte sich eine Skoliose, also eine “Verkrümmung” der Wirbelsäule. Da die Schmerzen immer größer wurden und das rechte Bein dadurch fast taub war, hatte ich nicht mehr “nur” einen doppelten Bandscheibenvorfall, sondern auch eine Nervenschädigung und einen komplett kaputten Rücken.

Es folgten 1 1/2 Jahre in denen ich kaum laufen konnte und in denen ich ständig auf Hilfe angewiesen war. Ich war nicht mal mehr in der Lage alleine auf die Toilette zu gehen. Ich war komplett abhängig von meinem Umfeld. Zum Glück habe ich tolle Eltern und Freunde, die sich in dieser Zeit sehr um mich gekümmert haben, aber so abhängig zu sein, war einfach grausam für mich. Es folgten ewig viele Arzttermine bei verschiedenen Orthopäden, die bis auf einen, alle von einer OP abrieten, da diese mir nicht mehr helfen würde. Über diese Aussage war ich fast schon froh, zwar machte mir dies, dass Ausmaß der Schädigung noch bewusster, aber eine OP wäre für mich nicht in Frage gekommen. Ich habe in der Zeit so viele Menschen kennen gelernt, die operiert wurden an ihrem Bandscheibenvorfall und denen es danach nicht besser ging. Zum Teil ging es Ihnen nach der OP schlechter. Ich habe damals für mich entschieden, dass eine OP nicht in Frage kommt, da die Spätfolgen dieser Eingriffe nicht absehbar waren. Und im Alter von mittlerweile 28 war mir das Risiko zu groß.

Ich habe monatelang täglich Schmerzinfusionen bekommen, habe Morphine erhalten, die eigentlich für Krebspatienten entwickelt wurden. Ich wurde so vollgestopft mit Medikamenten und nichts half wirklich. Der Schmerz war immer allgegenwärtig. Als ich dann nach Aachen in eine orthopädische Kur geschickt wurde war ich an einem Punkt an dem ich dachte, dass ich nie wieder auf die Beine komme. Schuld daran waren auch die Aussagen der Ärzte. Ich habe kurz vor der Diagnose meine Yogalehrer Ausbildung beendet, und alle Ärzte waren sich einig, dass ich diesen Beruf niemals ausüben kann…. Ohne jemals selber Yoga gemacht zu haben, ohne jegliches Hintergrundwissen wurden meine Träume hier einfach wahllos durch gefährliches Halbwissen der Ärzte zu Grunde gerichtet. Als mir dann noch ein Arzt prophezeite, dass ich mit 40 im Rollstuhl sitzen würde und ich keine Kinder bekommen könnte, aufgrund des Rückens, da habe ich damals wirklich daran gedacht aufzugeben. Ärzte haben so eine Macht mit ihren Aussagen und sind sich dessen leider nur selten bewusst.

Nach der Kur habe ich verschiedene Wege gesucht die die allgemein Medizin unterstützen sollten. Ich habe alles ausprobiert, Osteopathie, TCM (Chinesische Heilmedizin), Akupunktur, PRT Spritzen immer und immer wieder, einfach alles was ich hörte, was anderen geholfen hat, was ich gelesen habe, alles was die Ärzte und die Krankenkasse mir rieten. Bis ich irgendwann für mich ein System gefunden habe, was mir half ein Stück zurück ins normale Leben zu kommen. Neben der Schulmedizin, hat mir damals die TCM und die Akupunktur sehr geholfen. Eine Ärztin in Köln, von der ich hörte, setzte einen Ernährungsplan für mich auf und rührte mir furchtbar schmeckende Tee´s und Kräuter an, die ich neben der Akupunktur zu mir nehmen musste. Das war wirklich grausam, aber nach der 3. Behandlung, war ich im Stande wieder alleine mit dem Auto zu ihr nach Köln zu fahren! Du kannst dir nicht vorstellen, was dass für ein riesen Erfolgserlebnis für mich war, nach all der Zeit, endlich nicht mehr bei jedem Schritt und Tritt auf jemanden angewiesen zu sein wie ein Kleinkind.

Und so machte ich weiter, Schritt für Schritt, Stück für Stück…

Irgendwann kam ich an den Punkt, wo ich endlich wieder arbeiten durfte. Und entgegen der ärztlichen Aussagen, ging ich zurück in den Einzelhandel, als Storemanagerin. Ich mochte meinen Job noch immer und da man mir das Yogalehrer Dasein entsagte und mir zu einer Umschulung riet, wollte ich wenigstens hier, nicht meinen Rücken bestimmen lassen, sondern wollte selbst entscheiden, wie ich mein Geld weiterhin verdiente. Also bewarb ich mich bei einer großen amerikanischen Textilkette, für die selbe Position wie vor der Krankheit. Nur in einem viel viel viel kleineren Store als ich ihn je betreut hatte und auch ganz in der Nähe, so dass die Fahrzeit und auch das Arbeitspensum deutlich reduziert wurden. Ich war so glücklich als ich im Januar 2010 endlich wieder arbeiten gehen konnte. Nach dieser Tortur wieder den Schritt ins normale Leben gehen zu können hat mir unglaublich viel bedeutet. Leider hielt mein Rücken das für keine Gute Idee….

In meinem nächsten Artikel erzähle ich dir, wie es weiterging.

Halt die Ohren steif und glaube an dein Ziel, dass ist alles was es manchmal braucht. Tapferkeit und Träume.

Deine Jenny

Autor: Jenny

Hi, ich bin Jen. Reisesüchtig, Yogaverliebt und ich mag gutes, gesundes Essen. Wenn du mehr von mir sehen und wissen möchtest, dann folge mir auf Instagram oder auf Facebook.

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