Mein Rücken – Der Feind Teil II

Ich habe mir den voran gegangenen Artikel gerade nochmal durchgelesen, bevor ich den 2. Teil schreibe. Fühlt sich irgendwie gar nicht mehr wie meine Geschichte an, eher wie eine traurige Geschichte von einer jungen Frau, die mein vollstes Mitgefühl erhält. Das ist alles so lange her und erscheint mir, als ob ich von einem anderen Leben erzähle, nicht von diesem. Ich habe mich so verändert, habe mein Leben so umgekrempelt, dass mir alles andere zuvor wie eine fremde Geschichte vor kommt. Aber jetzt erstmal zurück zum Thema….

Nach nur 6 Monaten in meiner alten Position als Storemanagerin war der Traum ausgeträumt. Meinem Rücken ging es wieder sehr schlecht und die Ärzte zogen mich erneut für mehrere Monate aus dem Verkehr.

Es ging wieder von vorne los. Schmerzen, Infusionen, Therapien, Aussagen von Ärzten die mich demotivierten, Spritzen, etc. etc. Ich war frustriert, traurig und sehr wütend. Warum ich? Ich bin doch wirklich kein schlechter Mensch, warum hat das davor nicht gereicht, wieso nochmal? Diese Fragen kreisten ständig in meinem Kopf. Ich war wirklich am Limit angekommen. Heute weiß ich, warum alles so kommen musste. Kennst Du das auch, dass du manchmal in Situationen kein “Warum” erkennen kannst, aber irgendwann im Leben kommt der Schlüsselmoment und du weißt auf einmal, warum der Weg so beschwerlich war.

– No mud – no lotus – Einer meiner Lieblingssprüche… 😉

Bei so einer langen Krankheitsgeschichte kommt irgendwann der Punkt an dem sich die Krankenkasse und die Rentenversicherung einschalten. Es ging also los mit psychologischen Gutachten, mit Gutachten über meinen Rücken und so weiter und so weiter. Das Ganze brauchte seine Zeit und irgendwann entschieden die Krankenkasse sowie die Rentenversicherung, dass ich den Beruf der Storemangerin nicht mehr ausüben durfte und schickten mich zur Berufsberatung zum Arbeitsamt. Und weißt du was dann passiert ist? Dem Berater, der für mich zuständig war, lag mein kompletter Lebenslauf mit Zeugnissen etc. vor, und in dem Gespräch sagte er “Tja, ich bin ein bisschen ratlos, sie sind überqualifiziert. Ich gebe Ihnen jetzt hier mal dieses Buch mit, dort sind alle Berufe die wir zur Umschulung anbieten, verzeichnet. Suchen Sie sich einfach einen aus, ich kümmere mich um den Rest.” Und da stand ich dann, mit diesem Buch, wie damals bei der Berufsberatung nach dem Abi und wusste überhaupt nicht was ich machen sollte….

Ich bin dann nach vielen Gesprächen mit meiner Familie und Freunden ganz logisch an die Geschichte ran gegangen und habe mich dazu entschieden, mich zur Industriekauffrau umschulen zu lassen. Es war nichts was mich wirklich gereizt hat, aber es war die logische Konsequenz. Ich habe ein Wirtschaftsabi gemacht und danach die kaufmännische Ausbildung absolviert, also lag das Nahe. Es war überhaupt keine emotionale Entscheidung sondern eine rein logische. Ich war überfordert mit der Situation und wollte aber auch schnell wieder in die Arbeit kommen. Dieses zu Hause sitzen und sich nur mit dem Rücken auseinander zu setzen musste ein Ende haben. Ich wollte wieder “gebraucht werden”, eine Aufgabe haben und einen geregelten Tagesablauf haben. Ich war so genervt von all dem und so voller Hass auf diesen Rücken, dass ich einfach nur wollte, dass es endlich weiter geht. Also begann ich ein paar Monate später die Umschulung in einer Wirtschaftsakademie. Die 3 1/2 jährige Ausbildung wurde hier in 1 1/2 Jahre gequetscht. Es war eine ganz schöne Umstellung nach 12 Jahren wieder jeden Tag die Schulbank zu drücken. Und auch in dieser Zeit hatte ich weiterhin ständig Schmerzen. Meine Körperhaltung war komplett schief, ich war in vielen Dingen sehr eingeschränkt, und stand ständig unter Medikamenten. Auch das war eine Aussage der Ärzte, dass ich nie wieder Schmerzfrei sein würde und dass ich nie wieder ohne Medikamente leben könnte. Ich habe dann die Umschulung durchgezogen. Und auch hier wurden mir immer wieder Steine in den Weg gelegt. Zu der Umschulung gehörte ein mehrmonatiges Praktikum, welches ich bei einem alten Familienunternehmen absolvierte. Nach Beendigung des Praktikums wurde mir eine Stelle in Aussicht gestellt. Jedoch stellte sich später heraus, dass die Bezahlung so miserabel war, dass ich dieses Angebot nicht annehmen konnte. Es wäre in keinem Fall gegangen. Also hieß es Bewerbungen schreiben. Durch einen Zufall bekam ich dann eine Stelle als Key Account Managerin in einem Unternehmen in Köln. Schlechte Bezahlung, Schichtdienst und Wochenenddienst, ich nahm trotzdem an. Sich aus dem Job heraus zu bewerben war auf jeden Fall die reizvollere Perspektive, als arbeitslos zu sein.

Ich war total motiviert und freute mich auf das neue Team, das Lernen und die Herausforderung, hatte aber weiterhin immer Schmerzen. Aber ich habe versucht sie auszublenden, habe Tabletten geschluckt, bin Walken und Schwimmen und zur Aqua Fitness gegangen, aber dass rechte Bein, vor allem der Fuß kribbelten und schmerzten ständig. Hinzu kam, dass sich die berufliche Situation insofern zuspitzte, dass das Arbeitsklima in der Firma wirklich schwierig für mich war. Ich werde nicht weiter darauf eingehen, aber sagen wir mal so, ich bin nicht gerne aufgestanden morgens.

Irgendwann schrieb mir ein Bekannter ich solle ihn in Australien besuchen kommen, und da ich gerade alles so ätzend fand und ich dringend raus musste um klarer sehen zu können wie es weiter gehen sollte, nahm ich meinen Resturlaub und flog nach Sydney. (Hier findest du Meine Reiseberichte über Australien) Ich hatte eine tolle Zeit und bin dort auch ein Stück über mich hinausgewachsen, als ich zum Beispiel durch den Dschungel gewandert bin mit meiner Schlangenphobie. Wenn mir das einer ein paar Jahre zuvor prophezeit hätte, ich hätte ihn ausgelacht. Trotzdem, die ganze Zeit war er da, der Rücken, der Schmerz, dass Kribbeln. Als sich die Reise dem Ende zuneigte war ich ein Wrack. Ich habe den kompletten letzten Tag einen Heulkrampf nach dem nächsten bekommen. Australien war toll und ich wäre gerne noch mehr dort herumgereist, aber ich hatte unfassbare Angst in mein Leben zurück zu kehren, in diese Firma, in all das was mich zu Hause erwartete. Ich habe quasi 25 Stunden im Flieger durch geweint. Die Stewardessen haben mich alle ganz mitleidig angeschaut und waren extra nett zu mir, weil ich so Mitleid erregend war. Eine wünschte mir sogar beim Aussteigen “Alles Gute”. Sie dachte wahrscheinlich ich muss zu einem Todesfall, hat sich auch fast so angefühlt. Und dann…., stehe ich am Gepäckband, hebe meinen Koffer vom Band, es knackt in meinem Rücken und ich konnte mich kaum noch bewegen. Du kannst dir sicher denken was kommt…., genau…., wieder wurde ich aufgrund meines Rückens monatelang aus dem Verkehr gezogen. Die Stelle war befristet, der Vertrag lief natürlich aus, worüber ich nicht traurig war, im Gegenteil, ich war meinem Rücken sogar ein Stück weit “dankbar”, dass er mich aus dieser Situation befreit hat. Was dann kam war das selbe Prozedere wie zuvor. Schmerzinfusionen, Akupunktur, Tabletten, Therapien und und und. Wieder zogen Monate ins Land in denen ich nicht an einem normalen, sozialen Leben teilnehmen konnte. Ich wusste nicht mehr wie es weiter gehen sollte. Vorher war mein einziges Ziel gewesen zurück in den Job zu kommen und ein “normales” Leben zu führen, aber ich wusste jetzt, dass der Job und diese Umschulung mich nur noch unglücklicher und somit noch kranker machten.

Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf und das Universum, das Karma oder was auch immer, meinte es endlich gut mit mir und schickte mir die Möglichkeit nach Thailand zu gehen in ein Yoga Resort. Dort sollte ich den administrativen Bereich betreuen. Und das wurde zu dem großen Wendepunkt in meinem Leben. Lies hier wie ich nach Thailand kam.

In der kommenden Woche, erzähle ich dir, wie es mir während meiner Zeit in Koh Yao Noi erging, wie ich zurück zu meinem Yoga gefunden habe, und somit in meine Kraft, in meine Lebensfreude und in meine Bestimmung zurück kam. Und nein, es ist nicht immer alles gut, bis heute gibt es Phasen in denen ich es vor Schmerzen kaum aushalte, aber es gibt genau so Phasen (und das Beste ist, sie überwiegen!), in denen ich keine Schmerzmittel und keine Therapien brauche. Ich werde dir erzählen wie mein Leben fahrt aufgenommen hat und ich, allen ärztlichen Aussagen zum Trotz, heute fit und agil bin. Der Rollstuhl ist in weite Ferne gerückt und ich führe nun ein selbstbestimmtes Leben, fernab von schlechten Arbeitsverhältnissen, von Mobbing, missmutigen Kollegen und Chefs. Ich bin meine eigene Chefin mit meinem eigenen Business und für all das, hat es sich gelohnt immer wieder aufzustehen!

Also, bleib dran, es lohnt sich!

Alles Liebe und bis nächste Woche,

Jenny

Autor: Jenny

Hi, ich bin Jen. Reisesüchtig, Yogaverliebt und ich mag gutes, gesundes Essen. Wenn du mehr von mir sehen und wissen möchtest, dann folge mir auf Instagram oder auf Facebook.

3 Gedanken zu „Mein Rücken – Der Feind Teil II“

  1. Liebe Jenny, wie schön du das geschrieben hast. Es macht mit Mut, da ich auch grad wieder mit einem neuen Bandscheiben Vorfall zu kämpfen habe. (HWS 5/6. ich habe auch schon zwei vorherige Vorfälle, die ein paar Jahr zurückliegen. Ich mache Yoga seit vier Jahren bei Vanessa im Om Shanti und hatte jetzt wieder vier Jahre Ruhe und jetzt wieder. Ich habe im Arm Nervenschmerzen und kribbeln in den Fingern. Ich werde jetzt auch wieder Spritzen, Therapien und schmerztabletten zu mir nehmen müssen. Ich habe eine Frage an dich: würdest du an meiner Stelle mit Yoga pausieren? Ich würde es so gerne weitermachen, und selbst bestimmen wenn es nicht mehr geht ins Kind zu gehen. Vielleicht hast du ein paar Tipps für mich.
    Liebe Grüße
    Gitti

    1. Liebe Gitti,

      es tut mir leid zu hören, dass du gerade in einer akuten Phase steckst.
      🙁
      Ich denke Bewegung in akuten Phasen ist gut und wichtig um nicht noch mehr zu verkrampfen und somit alles langfristig noch schwieriger zu machen.
      Ich würde dir raten gezielte Yoga Rückenkurse und vllt. auch Meditationskurse zu besuchen, um deinen Körper trotz Schmerzen auch wieder mehr wahrzunehmen, was oft weniger passiert, da man so auf den Schmerz fokussiert ist. Besprich es bitte mit deinem Arzt oder deinem Physio, aber ich gehe davon aus, dass sie Dir zur Bewegung raten werden.
      Komm doch gerne mal in meinem Montags Yogakurs im Om Shanti vorbei. Von 17.30-18.45 Uhr findet dort mein Rückenkurs statt, vllt kann ich dir vor Ort noch ein paar Übungstipps geben, die Dir diese Zeit erleichtern.

      Halte durch!

      Alles Liebe,

      Jenny

      1. Vielen Dank, liebe Jenny. Ich liebe deinen Yogastiel und war Montags schon in deinem 17:30 Uhr Kurs und habe bei dir den Rücken Workshop mitgemacht. Ich werde am Montag um 18:45 Uhr gerne kommen. Vielen Dank, du Liebe.
        Gitti

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